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Geschlechterklischees in der Kinderbetreuung

Um bei der Kinderbetreuung das gesamte Potenzial des Kindes zu fördern, ist es wichtig, es in erster Linie als Mensch und nicht als Junge oder Mädchen, Mann oder Frau anzusehen. Die leider immer noch weit verbreiteten Stereotype zu Jungen und Mädchen schränken den Horizont des Kindes unnötig ein. In einer modernen Gesellschaft, in der viele Mütter berufstätig sind und immer mehr Väter von einer Auszeit für ihren Nachwuchs Gebrauch machen, stößt es auf Unverständnis, wenn die Jungs immer noch nur mit Autos und die Mädchen nur mit Puppen spielen dürfen. Jungs werden blau eingekleidet, Mädchen von Kopf bis Fuß in Pink, die einen sind starke Ritter die anderen liebreizende Prinzessinnen. Das muss und sollte nicht so sein!

Die unter dem englischen Begriff "Gender" bekannt gewordene soziale Konstruktion von Geschlecht weist auf die erst vom Menschen selber aufgestellten Stereotype hin und betont ihre Veränderbarkeit. Alleine wenn man in andere Länder, in fremde Kulturen schaut, fällt auf, dass "männlich" und "weiblich" je nach Kultur unterschiedlich definiert und umgesetzt wird. Das bedeutet für die Kinderbetreuung zuerst das kritische Hinterfragen der eigenen festgefahrenen Umgangs- und Betrachtungsformen der betreuten Kinder. Behandeln Sie ein Mädchen anders, nur weil es ein Mädchen ist? Schauen Sie einen Jungen anders an, nur weil er ein Junge ist und machen ihm Vorschläge für typische "Jungsaktivitäten"? Aber was genau ist das und wieso werden sie den Mädchen vorenthalten?

Die Welt ist lange nicht so einfach wie es der Blick in Spielzeugkataloge und Kinderbekleidungsmagazine suggeriert. Lösen Sie sich von Ihren gewohnten Denkschablonen, die durch die tägliche Werbung mitbeeinflusst sind. Betrachten Sie ein Kind immer als Individuum und nicht als Teil einer vermeintlich einheitlichen Gruppe nur aufgrund seiner Geschlechtsmerkmale. Es gibt schüchterne Jungs und starke Mädchen, Mädchen, die Fußball spielen wie in "Kick it like Beckham", und Jungs, die wie Billy Elliot Ballett tanzen. Oft müssen Sie sich über Widerstände aus dem eigenen Familienkreis und Anfeindungen aus der Nachbarschaft hinwegsetzten. Ermöglichen Sie Ihrem zu betreuenden Kind von Anfang an einen ungefilterten, geschlechtsneutralen Zugang zu einer Vielzahl an Aktivitäten. Nur so können sich alle Kinder (auch Mädchen) z.B. für Technik interessieren oder dem Frisieren von Haaren (auch Jungen) etwas abgewinnen.

Die spätere Berufswahl, und sei sie auch noch in weiter Ferne, wird durch den Umgang der Kinder insbesondere von Elternseite aus als Rollenvorbilder, aber auch durch Betreuungspersonal zu Hause, in der Kita oder der Schule maßgeblich beeinflusst. Sogenannte Boys- bzw. Girls-Days versuchen seit geraumer Zeit der verbreiteten einseitigen Einflussnahme auf die Kinder durch ihr direktes soziales Umfeld, Medien und Schule entgegenzusteuern und bieten an diesen Tagen die jeweils vorenthaltenen Aktivitäten und Berufsbilder zum Kennenlernen an.